Militaria-Scholz - The Time Machine 1813-1945
HB Militaria
Militaria Fachbuch
Ratisbons
Ergebnis 1 bis 7 von 7
  1. #1
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    Zeugnis von 1813

    Eigentlich interessiere ich mich nicht für Urkunden und Dokument, doch am 18.09.2015 ersteigerte ich mir bei einem großen Online-Auktionshaus ein „Zeugnis ü. d. Teilnahme a. d. Franzosenkriegen, 1813“ für sage und schreibe 25,72 € mit Versand.
    Das kann ja nicht viel sein, so dachte ich! Als ich das Dokument aber in meinen Händen hielt war ich sehr erstaunt. Es besteht aus einem Papier welches ich nur laienhaft als alt bezeichnen kann. Noch größer war mein Erstaunen als ich es zufällig gegen das Licht hielt und zwei Wasserzeichen sah.
    WZ1.jpgWZ2.jpg
    Des Lesens dieser Schrift nicht mächtig machte ich mich voller Elan an das Übersetzen des Schriftstücks, was mehrere Wochen gedauert hat (brauchte oft Pause). Den Text werde ich weiter unten schreiben.
    Als ich eine Woche später wieder bei dem Onlinehändler, ein gewisser Herr Dr. XXX (Name wird nicht genannt) aus Wien, rein schaute hatte er die beglaubigte Abschrift dieses Zeugnisses zur Auktion eingestellt. Das habe ich dann auch ersteigert und den Herrn Dr. XXX angeschrieben ob noch mehr dazu gehört. Er antwortete mir, dass da noch mehr zugehöre und er es mir raussuchen werde.
    Danach habe ich nie wieder was von dem Herrn Dr. XXX gehört und die beglaubigte Abschrift habe ich auch nicht erhalten. Zuerst habe ich an seine persönliche Email-Adresse geschrieben und als keine Antwort kam beim Online-Auktionshaus angeschwärzt. Aber da hatten die ihn schon rausgeschmissen da ein anderer Käufer sich auch beschwert hatte. Bis dahin hatte er 120 gute Bewertungen. Trotzdem kommt mir das Ganze dubios vor!

    In kürze kommt Teil 2.

  2. #2
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    Erstmal ein paar Bilder!
    Z1.jpgZ2.jpgZ3.jpgZ4.jpg
    In kürze kommt Teil 3!

  3. #3
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    Meine Recherchen haben ergeben, dass die Unterzeichner aus dem Zeugnis tatsächlich im Fürst Hohenlohe Bartenstein Infanterie Regiment gedient haben. Im Buch „Die Reiter Regimenter der k.k. österreichischen Armee, Bände 2-3“ wird auf Seite 271 ein Oberst Kurz und ein Major Settele erwähnt. Das sind ja die beiden Unterzeichner, jedoch hat der Major mit Settelle und nicht Settele unterschrieben!
    U1.jpg
    Eine Fälschung oder hatten die es damals nicht so mit der Rechtschreibung? Das Zeugnis jedenfalls ist voller Rechtschreibfehler.

    Hier nun der Text des Zeugnisses.

    Seite 1:

    Zeugniss
    ?
    Be??? No 6.
    8

    Seite 2:

    Fürst Hohenlohe Bartenstein Inft. Regiment Nr. 26.
    Abt. 23
    Zeugniss
    Der Herr Hauptmann Jacob Aloys Stadler von dem dießeitigen
    löbl. Regiment stand am 9ten November 1813 mit seiner Compagi
    während der Affaire hinter dem Dorf Belluno in Reserve.
    Als die im Gefechte begriffenen zwey Compagnien des zweyten
    fzeckler Inft. Regiments und daher auch die Artillerie zum
    Rückzug gezwungen wurden, und die ersteren nicht mehr in
    Ordnung gebracht werden konnten, so führte der obige
    Herr Hauptmann zwey Züge kon seiner Compagnie
    /: in dem man die übrigen zwey Züge auf befehl Herr Obersten zur Deckung seines
    linken Flügels detackiele :/ gegen den Freiwilligen linken
    Flügel, dem eben der Rückzug der fzeckler befohlen, mit
    Sturm Vordrang und vermuthlich die Absicht hatte, der
    Artillerie den Rückzug abzuschneiden. Durch die Stand,,
    haftigkeit dieser Campagnie wurde der äußerst über,,
    legene Feind zurück gewiesen, und die Artillerie in Stand
    gesetzt, ein anhaltendes kartätscher Feuer gegen
    den Feind zu unterhalten, wodurch sein weiteres
    Vordringen gänzlich gehindert wurde.
    Nicht minder standhaft benahm sich der obige Herr
    Hauptmann am folgendem Tage in der Affaire
    bey Cainpionela (Campianela?), in dem er mit seiner Compagnie
    %


    Seite 3:

    die ihm angewiesene Anhöhe, gegen den sehr überlegenen Feind
    sehr zweckmässig, und so lange vertheidigte, bis die übrigen
    im Rückzuge begriffenen Truppen, die anbefohlene weise
    Aufstellung gewichen hatten.
    Welches ich zum Steine der Wahrheit und Auszeichnung des
    gedachten Herrn Hauptmann Jacob Aloys Stadler um
    so mehr bestättigen muß, als ich in beyden obigen Ge,,
    legenheiten von seinen tapferen und standhaften Be,,
    nehmen Augenzeuge war, (ab hier durchgestrichen) und in der ersteren selbst die
    die Artellerie dirigirte (jetzt nicht mehr durchgestrichen).
    ????? Avio am 16ten November 1813
    ???? T. Kurz Oberst Settelle Major

    In Kürze kommt Teil 4!

  4. #4
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    Mir ist auch aufgefallen, dass sich der Schreibstiel innerhalb des Dokumentes ab und zu ändert.
    H1.jpg
    Hohenlohe
    H2.jpg
    Hauptmann
    Man beachte das große H.

    A1.jpg
    Affaire
    A2.jpg
    Als die im
    Das große A!
    Es gab beide Schreibweisen. Da ich mich mit der alten Schreibweise nicht so auskenne könnte es aber normal sein, dass der Schreibstiel sich ändert, oder doch nicht?

    Womit habe ich es hier zu tun? Original oder Fälschung?
    Wenn ihr es geschafft habt bis hier hin zu lesen gebt doch bitte euren Kommentar dazu ab!

  5. #5
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    Hey Klaus
    also was die Rechtschreibfehler angeht, lasse dich nicht von deiner Schulbildung hinters Licht führen, habe selbst mal einen Brief aus dem Jahre 1836 in meinem Besitz gehabt und da war es ein ähnlicher Fall. Zu der Zeit wurden viele Wörter exakt so geschrieben wie gesprochen und da kamen oft seltsame Schreibweisen heraus. War mit meinem Brief sogar bei unserem Kreisarchäologen um mir diesen vorlesen zu lassen. (für mich sah die Schrift wie ein EKG aus :-)
    Und mit der Unterschrift des Majors irrt sich der Verfasser des Buches wohl falls es sich hier um den selben Major wie im Buche handelt.
    Die Briefe hatten in behördlichen Ebenen Wasserzeichen.
    Hier zum vergleich mal ein paar Bilder von meinem ehemaligen Brief.

    DSCN0366.JPGDSCN0368.JPGDSCN0370.JPGDSCN0371.JPGDSCN0372.JPG

  6. #6
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    Und die unterschiedlichen Schriftformen überprüfe nochmals mit jemandem der diese Schrift zu 100% lesen kann.
    Der Unterschied vom Schreiben zur Unterschrift kann auch daran liegen, dass z.B der Adjudant o.ä das Zeugnis nach Diktat geschrieben hat und der Major bloß seine Unterschrift darunter gesetzt hat.
    Aber ob Original oder nicht kann ich da nicht sagen...
    Geändert von Maddin89 (30.12.2016 um 22:37 Uhr)

  7. #7
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    Danke für das Zeigen des Briefes! Das hat mir schon etwas weitergeholfen. Die letzten beiden Sätze aus dem Brief lauten:

    Seesen den 20ten April 1836.
    Herzogliches Amt daselbst
    Unterschrift

    Bei „April“ und „Amt“ ist das „A“ auch unterschiedlich. Das lässt mein Vertrauen in das Zeugnis schon steigen.
    Mit den Rechtschreibfehlern hast du vermutlich auch recht. Der Duden wurde erst viel später erfunden.
    Jemanden zu finden der sich mit dieser Schrift, Urkunden, Zeugnissen auskennt und nicht gleich die Hand aufhält ist nicht so leicht. Ich habe auf das Forum gesetzt.

    Gruß
    Klaus

    Ach ja! Das Pferd ist cool!

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